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BioCar Geschichte und Geschichten - Teil 22

Brennstoff als Schmierstoff (2)

Wenn Rengel aufrichtig gewesen wäre, hätten wir beide was davon gehabt. So ein Kurierfahrer in München fährt am Tag 200 bis 300 km im Schnitt, bei Sonderauf-trägen auch viel mehr. Da ich zu dieser Zeit (96-97) von McD Altmaterial im Überfluss bekommen konnte (200 L im Monat waren mir schriftlich zugesagt) konnte ich Rengel das sauber gefilterte gut flüssige Öl zum halben Dieselpreis abgeben. Ziel dieses Versuchs war es, erstmals in einem Dauertest mit einem für den Straßenverkehr zugelassenen Fz den Beweis zu erbringen, dass ein konventionelle Dieselmotor auf Dauer mit Pflanzenöl als Treibstoff und Schmierstoff betrieben werden kann. Das Erstere wurde zu dieser Zeit nicht für möglich gehalten. Im —Gelben Heft 40ž heißt es auf Seite 39.

"Die Viskosität ist die wichtigste physikalische Größe, die den Einsatz von unverändertem Rapsöl in Dieselmotoren, vor allem in direkteinspritzenden, für den Langzeitbetrieb unmöglich macht."

Diese wichtige Kernaussage war bei Redaktionsschluss 1992 Stand des Wissens, war aber mit meinen Zweitank-Umbauten nicht mehr richtig. Hier entstand eben die Möglichkeit, die Viskosität mit der Abwärme des Motors zu verändern, während das Fz mit Diesel gestartet wurde und ein paar Minuten damit fuhr. In der Fortsetzung dieses Gedankens hätte man schon damals beweisen können, dass der Treibstoff Pflanzenöl durch gezieltes Erwärmen im Zweittank zunächst als Schmierstoff und anschließend als Treibstoff sehr wohl im konventionellen Dieselmotor verwendet werden kann. Nach Anordnung der Systemteile erwärmt sich also das Pöl im Zweittank gerade soviel, dass es transportierbar wird und in der Ölwanne soweit, dass es problemlos versprüht und verbrennt. Fetti 2 war also vermutlich eine Weltpremiere, weil andere technische Lösungen in Stationärmotoren umgesetzt wurden wie bei DE 4325194 oder nicht so weit gingen, wie bei DE 3906759. Hier wurde vorgeschlagen, aus einem Schmierstoffbehälter mit additivirtem Pflanzenöl in kleinen Dosen zunächst in die Ölwanne und von da in den Treibstofftank zu leiten. Da befindet sich aber Diesel, weil man den Dauerbetrieb mit reinem Pflanzenöl damals eben nicht für möglich hielt. Erst Jahre später ( 97 und 98 ) haben Fuchs Petrolub und Kampmann nachgelegt und Pflanzenöl als Treibstoff vorgesehen. (DE 19747854 und DE 19817976)

Man sieht also, fast nichts ist wirklich ganz neu, und Dr. Kampmanns Anmeldung wird vermutlich nicht zum Patent, weil sein Hauptanspruch 1 (...dass der im Kreislauf geführte Kraftstoff als Schmieröl und zum Einspritzen in den Motor......) nicht neu ist. Das wäre aber Voraussetzung zur Erteilung eines Patents. Mich hat die Patentfähigkeit der Einbauten in Fetti 2 nicht besonders interessiert. Es dauert nämlich einige Jahre ( bei meinem Patent 44 33 500 fast vier) bis das Patentverfahren abgeschlossen ist. Mich hat erst mal nur beschäftigt, ob man ein Auto mit altem Pommesöl im Tank und in der Ölwanne betreiben kann. Das erstere ist vollkommen geklärt, das letztere mit Fetti 2 nicht ausreichend. Da hätte er länger fahren müssen. Hat man dann aber seine Patenturkunde in der Hand, ist man vom Tüftler zum richtigen Erfinder mutiert.

Der von den Erfindern geschaffene —Stand der Technikž ist meist eine Momentaufnahme, die bei zeitgeistbehafteten Erfindungen vom Erfinder selber oder von anderen bald überpinselt wird. Es gibt eben nichts, was man nicht noch verbessern könnte. Und noch etwas ist neben Bescheidenheit für das Tüfteln ohne Frust wichtig: Der Unterschied zwischen Erfindung und Entdeckung.

Fortsetzung folgt

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Copyright G.Lohmann - Letzte Änderung 12.10.2002